garp:
“Dieter Blechschmidt, seines Zeichens CDU-Stadtradt der rund 66.000 Einwohner zählenden sächsischen Stadt Plauen bezeichnet Homosexuelle öffentlich als unter einer Krankheit leidende, die psychischen Ursprung hätte.”
Wenn in Griechenland und Italien demokratisch gewählte Regierungen durch sogenannte Expertenräte ersetzt werden, ist das nach klassischer Definition keine Demokratie mehr, sondern eine Technokratie. Übersetzt aus dem Altgriechischen bedeutet dieser Begriff denn auch »Expertenherrschaft«. Diese Entwicklung ist bedrohlich. Geradezu erschreckend ist jedoch, wie widerstandslos diese Aushöhlung der Demokratie hingenommen wird.
Wer es nicht besser wissen kann und sich duckt, mag ein Opfer sein. Wer es besser wissen könnte, aber lieber freiwillig mit dem Strom schwimmt, ist schon kein Opfer mehr. Und wer es besser weiß und dennoch den Mund hält, ist kein aufrechter Demokrat und feige ist er obendrein. Schon einmal ist in Deutschland die Demokratie gescheitert und in einer Katastrophe gelandet, weil es zu wenig aufrechte Demokraten gab oder zu wenig Kräfte, die sich mutig für die Demokratie aktiv einsetzten.
Die Politik der vier etablierten Parteien sieht selbst bei wohlwollender Interpretation nur unbedeutende Detailveränderungen vor. Schlimmer noch – es fehlt sogar die Bereitschaft der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Das politische Deutschland trägt Scheuklappen, es bewegt sich in einer rosaroten Parallelwelt, in der die Probleme und Sorgen eines großen Teiles der Bevölkerung nicht mehr vorkommen oder schlimmer noch als selbstverschuldet abgetan werden. Auch die Medien haben sich zu großen Teilen in diese Parallelwelt geflüchtet und nur wenige unter der intellektuellen Elite wagen es, auch einmal quer zu denken und mahnend die Stimme zu erheben. Deutschland befindet sich in einer kollektiven Denkstarre, das Land der Dichter und Denker ist denkfaul geworden und selbst progressive Geister resignieren zusehends oder begeben sich in die innere Emigration.
Die Pflegerin meint, die Mutter habe die Transsexualität des Kindes „induziert“, deshalb müsse Alex aus ihrem Einflussbereich gebracht werden. In der Charité geht es darum, Alex sein „biologisches“ Geschlecht nahe zu bringen und „geschlechtsatypisches Verhalten“ zu „unterbinden“, erklärt Chefarzt Klaus Beier die Therapie. Das bezeichnet die Hamburger Sexualwissenschaftlerin Hertha Richter-Appelt als „überholten Standpunkt“. Eine Zwangseinweisung erscheint ihr unklug. Ob die Mutter die Transsexualität induziere, könne auch in einer ambulant festgestellt werden.
Christian Wulff hat in seinem Grußwort vor der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland den Beitrag der Kirchen und die Bedeutung seiner Religion für das Land in bislang ungekannter Euphorie betont. „Zutiefst geprägt“ seien Land und Gesellschaft von christlichen Traditionen, so Wulff. Trotz seiner Erwähnung von „Aufklärung“ und der Freiheit zum Bekenntnis nichtreligiöser Identitäten, machte der deutsche Bundespräsident in seiner Rede erneut deutlich, wie wenig er zur Repräsentationsfigur des von ihm benannten „aufgeklärten, säkularen Abendlandes“ in einem religiös neutralen Staat taugt.